Zum Tode von Karl-Heinz Losch

Am 9. Februar 2012 verstarb völlig überraschend im Alter von 69 Jahren unser Ehrenmitglied Karl-Heinz (Karlo) Losch.
Bei einem Empfang im September 2008 aus Anlass des Gewinns des ersten von fünf Weltmeistertiteln vor 50 Jahren erinnerte sich sein Neffe und 1. REV-Vorsitzender Michael Seeger in seiner Laudatio an Stationen aus der Karriere des erfolgreichsten Heilbronner Sportlers des vergangenen Jahrhunderts.

"Es war kurz nach dem Ende des Krieges als ein Fünfjähriger von seinen beiden Schwestern, die bereits fünf Jahre vorher mit dem Rollschuhlaufen angefangen hatten, mit auf die teilweise noch zerstörte Rollschuhbahn mitgenommen wurde. Der Fünfjährige hieß Karl-Heinz Losch und man konnte damals natürlich noch nicht ahnen, was aus ihm werden sollte.
Aber die legendäre Fräulein Gräfer hatte ein Händchen für kleine Talente und nahm ihn unter ihre Fittiche. Dies war nicht immer ein Zuckerschlecken; Karlo erzählte, dass es beim Training kein Pardon gab und er weiß nicht, wie oft er die Kür durchlaufen musste, bis es klappte und Fräulein Gräfer zufrieden war. Es sollte sich auszahlen!

1956 nach dem Gewinn der Deutschen Jugendmeisterschaft in Berlin begann eine beispiellose Karriere, die zwei Jahre später mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft einen ersten Höhepunkt fand. Damals hatte niemand mit ihm gerechnet. Denn der spätere Olympiasieger im Eiskunstlaufen Manfred Schnelldorfer war auf der Deutschen Meisterschaft noch vor ihm gewesen. Selbst die Presse hatte damals einen Tag nach der WM Schwierigkeiten wenigstens ein Foto von dem Fünfzehnjährigen für die Zeitung zu finden.
Insgesamt wurde er zwischen 1958 und 1966 fünfmal Weltmeister und zum erfolgreichsten Heilbronner Sportler des 20. Jahrhunderts.
Silbernes Lorbeerblatt, die höchste deutsche Sportlerauszeichnung, und Ehrenmitgliedschaft des REV waren natürlich selbstverständlich. Auch im Guiness-Buch der Rekorde ist er verewigt.

Bei seiner letzten WM 1966 in Essen wurde seine fehlerfreie Kür vom ZDF ausgestrahlt und vom bekannten Sportreporter Dieter Kürten kommentiert, der ihm den Film dann als Geschenk verehrte.
Legendär sind seine Schaulauf-Nummern, wie der Säbeltanz und seine Halbstarken-Parodie (hier kam er mit dem Moped auf die Rollschuhbahn gefahren). Damit feierte er auf der ganzen Welt große Erfolge – in USA genauso wie in Neuseeland, Japan, Mozambique und Angola.
Bei jeder Rückkehr von den erfolgreichen Weltmeisterschaften gab es natürlich einen tollen Empfang mit vielen hundert Menschen am Bahnhof. Und auch auf dem Wege zum Rathaus standen viele Heilbronner und winkten den erfolgreichen Sportlern und ihren Trainerinnen in den offenen Autos zu. Auf dem Rathaus empfing Oberbürgermeister Paul Meyle die Sportler und ihre Begleitungen. Einträge ins Goldene Buch der Stadt Heilbronn sowie die Verleihung der Goldenen Münze der Stadt Heilbronn im Jahr 1966 an Karlo waren Höhepunkte dieser Empfänge.

Die "Welt" schrieb bei seiner zweiten Weltmeisterschaft 1959 in Berlin:
"Der Höhepunkt der Berliner Weltmeisterschaften spielte sich am Sonnabend zwischen 21.17 und 22.22 ab, als ein junger Läufer über das Parkett rollte und die Zuschauer zu Begeisterungsstürmen hinriss. Minutenlang übertönte der Beifall die Musik. Karlheinz Losch, 16 Jahre als und Oberschüler in Heilbronn, lief so reif, so elegant, so schwungvoll, so harmonisch und mit so vielen Schwierigkeiten, dass im Berliner Sportpalast die einhellig Meinung bestand: so gut war noch niemals vorher jemand auf Rollschuhen gelaufen.

Er ist ein bescheidener Junge und gibt zum Erstaunen der Backfische nicht einmal Autogramme. Er hat den billigsten Trainer der Welt - es ist seine 22-jährige Schwester Sigrid. Er hat sich eine Perfektion angeeignet, die Entzücken hervorruft. Der Alain Jenkins auf Rollschuhen, so kann man Karlheinz Losch nach dem großen amerikanischen Eisläufer bezeichnen." Soweit das Zitat aus der "Welt" vom 28.10.59.

In seiner Erwiderung erzählte Karlo von seinen zahlreichen Reisen und gab viele Anekdoten zum Besten. Etwa , wie es damals in Singapur war, als ihm als Ehrengast vom Wirt eines Restaurants zwei Schweinsaugen auf einem silbernen Tablett serviert wurden. "Alle haben natürlich geguckt, was ich jetzt mache. Also habe ich sie einmal durchgeschnitten und runtergeschluckt. Aber ich brauchte danach viel Reiswein, um das komische Gefühl loszuwerden". Er machte einen Unterschied zum heutigen Sport aus: "Wir sind noch so gelaufen, dass wir möglichst wenig auf dem Boden lagen. Dafür haben wir lieber mal eine Schwierigkeit ausgelassen." Und das gab dann eben eine so wunderschöne Kür wie bei seinem letzten großen Auftritt 1966 in Essen.

Sigrid Seeger-Losch (13.02.2012)
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